8. Jahrhundert:  Merowinger- und Karolinger Zeit  ( 500-900)


Archiälogie des Mittelalters:

Beerenbach (Elsenz), Bei den Häusern (Kleingartach), Bismarckstraße, Bräunling, Brandstatt (Kleingartach), Burgberg (Richen), Dammhof (Adelshofen), Friedhof, Gruppenbach (Kleingartach), Hainbach (Elsenz), Kirchhof (Altstadt), Leinburg (Kleingartach), Martinskirche (Kleingartach), Mönchsweg (Mühlbach), Ottilienberg, Kapellenhof und Westrand, Plattenweg (Mühlbach), St. Petersgasse (Vorstadt), Schanzgraben (Richen), Schloßgärten (Adelshofen), Schloßwiesen (Rohrbach), Schimmeles Weg, Veitsrain (Richen), Widegobenhusen, Zimmerdorf (Richen), Zimmerfeld, Zimmergrund. 1.3).

Bodendenkmäler: Schanz (Reihengräberfriedhof)

 

675-751 n. Chr.                 

Christianisierung des Ostfrankenreiches unter Bonifazius (675-751) „Apostel der Deutschen“.

Er ist ein anglikanischer Benediktinermönch und heißt eigentlich Winfried.

Er war in Rom und wurde 722 vom Papst zum Bischof geweiht und mit der Germanenmission beauftragt.

Er gründete Missionsstützpunkte und fällte die der germanischen Gottheit Thor geweihte Donar-Eiche am rechten Westufer (Donar, altsächsisch Thunar, altnordisch Thor), einer der wichtigsten altgermanischen Götter.

Er war der Gott des Donners, der Donnerstag ist ihm geweiht.

In der nordischen Götterdichtung wurde er durch die heidnischen Skalden zur Liedpoesie der Edda).

Bonifatius gründete Klöster und Bistümer wie in Salzburg, Regensburg, Passau, Würzburg, Erfurt u.a.;

nur in Sachsen hatte er nichts zu bestellen.

Im hohen Alter wurde er auf einem Missionszug von Friesen erschlagen und im Kloster Fulda, das er gegründet hat, beigesetzt. 26).

 

700 – 800 n.Chr.               

Elsenz dürfte schon im 7. oder 8. Jahrhundert entstanden sein, denn es hat wie alle alten Siedlungen eine große Gemarkung.

Eine Urkunde von 1137 enthält die erste Nennung des Dorfes Elsenz.

Es war im Besitz des Reiches, aber Kaiser Ludwig der Bayer verpfändete in seiner Geldangelegenheit Elsenz von 1344 an Adlige.

Im Jahre 1365 kam es durch Kauf an den Pfalzgrafen in Heidelberg und verblieb in der Kurpfalz, bis Napoleon ab 1803 das ganze kurpfälzische Oberamt Mosbach, dem es unterstellt war, dem Fürsten von Leiningen in Amorbach für drei Jahre überließ und es dann zu Baden schlug 1.2).

 

732 n. Chr.                          

Karl Martell besiegt bei Tours und Poitiers entscheidend die bis Spanien vordringenden Araber in ihrem hl. Krieg gegen die Ungläubigen.

Der Zangenangriff bis Byzanz wurde verhindert.

Der Hammer vernagelt das europäische Eingangstor und rettet Europa vor dem Islam. 

Martells Nachkommen setzen die „schlappgewordenen“ Frankenkönige der alten Merowingerdynastie  ab.  26).

 

746 n. Chr.                          

Aufstand des Alemannenherzogs Theutbald gegen die Franken.

„Gericht von Canstatt“.

Das Herzogtum Schwaben geht im Frankrenreich auf.  28).

750 n. Chr.

Auf dem Plateau des Ottilienbergs entstand wohl schon um 750 eine alte Fluchtburg, die wohl in der Hallstattzeit (um 750) angelegt worden sein dürfte und in der Laténezeit (jüngere Eisenzeit, um 500) einen Abschnittswall am Bergsattel erhalten hat. Der doppelte Ringwall in seiner ursprünglichen Form ist jedoch kaum mehr zu sehen.             

1473  erbaute Meister Jakob für das Geschwisterpaar Hans v. Gemmingen auf Guttenberg und Metza, Witwe des Eberhard Weiss von Feuerbach, die gotische Ottilienkapelle, mit den kunstvollen Sterngewölben im Fünfachteltor.

Der anschließende Turm ist heute noch erhalten, während von dem nach Westen sich erstreckenden Langhaus nur noch der äußere Abschluss steht.

Das dabeiliegende Gehöft war ebenfalls mittelalterlichen Ursprungs, denn anfangs blühte die Wallfahrt so, dass die Mönche des Wilhelmitenklosters in Mühlbach, die das Kirchlein versahen, kaum ausreichten.      

Für 1521 ist noch ein Ablassbrief für das Mühlbacher Kloster erhalten, aber 1545 stand das Kloster bereits leer.

Der Verkauf des Klosters im Jahre 1546, zehn Jahre bevor in der Pfalz offiziell die Reformation eingeführt wurde, hatte im Elsass einen Vorläufer, wo die Wilhelmiten ihr Kloster schon 1543 verkauft hatten.     

Der geniale Feldherr, Markgraf Ludwig Wilhelm I. von Baden, bekannt als „Türkenlouis“, hatte im pfälzischen Erbfolgekrieg die fortifikatorischen Vorzüge dieser Berglage erkannt, und sie in das Schanzensystem seiner „Eppinger Linien“ einarbeiten lassen und den Ottilienberg 1696 mit Artillerie bestückt.     

Der dreißigjährige Krieg wird dem Kapellengehöft nur Brand und Zerstörung gebracht haben.            

Aus der Mitte des 19. Jahrhunderts kennen wir eine Litographie, auf der zwar der Turm ein Dach besitzt, aber der überwölbte Chor schutzlos der Witterung preisgegeben ist.                             

Als Pächter (Ausdruck "Beständer"), als Landwirt oder Gastwirt, meist beides zugleich, sind bekannt:

Heinrich Willnauer (bis 1874), Urgoßvater Phil. Michael Weiss, Johann Phil. Benz, Großvater Friedrich Weiss (gestorben 1904, für die jüngeren schon als Urgoßvater zu betrachten), Johann Georg Hinkel, August Barth (1903-1908), Joh. Georg Hinkel und Hermann Geier (ab 1930, Vater des Hoteliers in der Stadt).

Davor saßen Jäger und Förster oben, weshalb der Eppinger Hausberg auch Jägersberg genannt wird.              

Im 17. Jahrhundert hieß er Kloster "St. Ilgen", gemäß einer Karte vom 1. Juli 1695 mit einem Feldlager bei Eppingen.                       "Gelungen war des Schöpfers Werk, der Lauf der Welt gewegnet, gewiß hat vom Ottilienberg er erstmals sie gesegnet".

Es ist die 8. Strophe des Eppinger Heimatliedes von 1925, das der Heimatdichter Johannes Kleinheins geschrieben hat, und bezieht sich auf den Ottilienberg.

Seit 1855 enthielt das Gehöft auch eine Gastwirtschaft, die 1945 mit in Trümmer sank.                         

1909 besaßen alle Gebäulichkeiten wieder ein Dach, sind aber landwirtschaftlich genutzt.

Dabei hatte die Stadt Eppingen schon früher Schritte unternommen, um den Ottilienberg, der von 1833 bis 1849 als Sitz des städt. Försters diente, für die Öffentlichkeit besser zu erschließen.   

1926/28 erbaute die Stadt eine Zufahrtsstraße, und der starke Ausflugsverkehr, besonders aus der württembergischen Nachbarschaft, ließ 1933 den Anbau einer großen Trinkhalle und kleiner Schankpavillons geraten erscheinen.        

1945 folgt wieder eine Zerstörung, der nur die dicken Sandsteinmauern und das Chorgewölbe stand hielten.  

Den aufgebrachten Notdächern spielte der gewaltige Sturm von 1952 übel mit.                                    

1955/56 erfolgte der Wiederaufbau in der heutigen Form.

Den Kirchenschiffrest und das ausgebrannte Gehöft hatte man 1946 auf einfachste Weise soweit hergerichtet, dass darin ein Heimatvertriebener  seine Existenz aufbauen konnte.

Die wertvollsten Trümmerstücke und ein Ottilienstandbild, eine gute Schnitzarbeit vom Ende des 17. Jahrhunderts, sind im Städt. Museum in Eppingen ausgestellt, in der Turmvierung steht jetzt auf einem Gewölbeanfänger eine steinerne Hl. Ottilie aus dem Jahre 1868.  

Das Jahr 1966 brachte eine Regelung zwischen der Stadt und den beiden Konfessionen über die zukünftige kirchliche Nutzung der Kapelle, die für Freiluftgottesdienste oder als Hochzeitskirchlein wie geschaffen ist.

Dem Wiederaufbau der Kapelle nach dem Kriege folgten weitere Verbesserungen und die so wichtige Stromversorgung.   

Anstelle der Gaststätte wurde ein großes Terrassengebäude am Westrand der Waldlichtung mit Aussicht zur Ravensburg errichtet, das im Rohbau beim Bergfest 1952 über 8.000 Besucher sah.

Zunächst wurde das Haus als Erholungsheim für Hirnverletzte benutzt, dann als Alten- und Freizeitheim des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, und dann gehörte es der Industrie- und Handelskammer Karlsruhe, die darin Seminare für Führungskräfte aus Industrie- und Wirtschaft, Lehrgänge und Tagungen betreibt, sowie ein Institut für kaufmännische Fortbildungen (IKF) unterhält.        

Diese Arbeit fand bereits ihre Anerkennung durch einen Besuch der zuständigen EWG-Kommission und lässt viele Besucher aus nah und fern den schönen Kraichgau erleben.

Gleichwohl träumen die Wanderfreunde immer noch von der „Jägersberger Kärwe“ und gastlicher Einkehr auf dem Ottilienberg.

Die „Jägersberger Kärwe“ am Himmelfahrtstag, die früheste Kirchweih der Umgebung, erinnert uns an die Prallelen zum Elsass, wo in Marienthal, dem Ort des ehemligen Wilhemitenklosters, am Pfingstmontag Kirchweihtag ist.

Der Mont St. Odile, der elsaässische Ausgangspunkt des Ottilienkultes, besitzt ebenfalls einen uralten Ringwall, und ähnlich wie dort die Odilienkapelle in die fruchtbare Ebene und das Hügelland nordwärts schaut, in dem Orte wie Rohrbach, Tiefenbach, Pfaffenhofen, Zabern und Neuweiler liegen, steht der Ottilienberg bei uns mitten im Hügelland und wo die Zaber fließt.

Die Eingangs erwähnte Mulde ist inzwischen verbaut, auf die IHK folgte das Christliche Jugenddorfwerk Deutschlands, und im Rest des Ökonomiegebäudes neben der Kapelle betreibt der Odenwaldklub sein Wanderheim.  1.)

Die Ottilienbergkapelle wird von der Denkmalstiftung Baden-Württemberg  zum „Denkmal des Monats“ im August 2015 gekürt. Sie ist ein „Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung“.

Die Stiftung rückt jeden Monat im Jahr ein anderes Zeugnis der Geschichte in den Blickpunkt.

Die Stiftung hat 40.000 Euro für die Sanierung des Bauwerks zur Verfügung gestellt.

Für die Instandsetzung der Kapelle auf dem Eppinger Hausberg sind insgesamt 400.000 Euro veranschlagt.

Die Außenarbeiten wurden bereits erledigt, die Wasserableitungen und Fensterbretter erneuert, Sandsteine verfestigt und ausgetauscht.

In den kommenden Jahren sollen noch Sanierungen im Innenraum und an den Resten des Hauptschiffs folgen. 17).

2015

                

756 n. Chr.                        

Pippin der Kurze (Martells Sohn) wird 756 mit dem Ja des Papstes erster König der neuen Karolingerdynastie.  

Pippins Sohn ist Karl der Große.

Pippin steht dem Papst gegen die Langobarden in Italien bei.

Begründung des Kirchenstaats (sog. Pippinsche Schenkung) als weltliches Herrschaftsgebiet der Päpste in Mittelitalien.

Beginn des schicksalhaften Einvernehmens zwischen dem Papsttum und den fränkischen (später deutschen) Königen und Kaisern. 26).

 

766  n. Chr.                            

Kleingartach wird erstmals urkundlich im Lorscher Codex erwähnt 3).

 

768-814 n. Chr.                 

Karl der Grosse.  

Er führte das Frankenreich auf den Gipfel der Macht.

Sein Ziel ist die Errichtung eines christlichen Weltreiches nach dem  Vorbild des „Gottesstaates“ des heiligen Augustinus.  26).

 

769  n. Chr.                           

Richen wird erstmals urkundlich erwähnt in der Lorscher Chronik (Kloster Lorsch) in der Nähe von Weinheim a.d. Bergstraße gelegen, als ehemaliges Dorf (Wüstung) Zimmern.

Später tritt uns Richen als Ryechen im Jahre 1267, als Riechen 1270 und Riecheim 1392 entgegen. 1.2). Richen wird um 1300 von der Kurpfalz erworben.  25).

 

772-806 n. Chr.                 

Kriege Karls des Großen gegen die heidnischen Sachsen unter Widukind.  26).

 

782 n. Chr.                         

Karl ließ 4.500 Geiseln der aufständischen Sachsen in einem Blutbad  hinrichten

Hierzu gibt es eine Erinnerungsstätte in Sachsenhain mit 4.500 Steinfindlingen. 

14 Jahre später, nach dem Blutbad 782,  ist Sachsen dem Reich einverleibt und die Elbe Ostgrenze des Frankenreiches.  

Karl verhindert damit den Anschluss Sachsens an ein germanisch-nordisches Seereich.  

Zur gleichen Zeit kämpft er gegen die in Spanien herrschenden Omaijaden (erste Kalifendynastie; 

seit 756 gibt es ein unabhängiges Kalifat in Cordoba, nach 1031 zerfällt es in einzelne Emirate).    26).  

                 

788 n. Chr.                         

Karl zieht gegen die Bayern und setzt ihren Herzog Tassilo ab.  26).                   

In England erzwingen die Normannen 788 die Abtretung des Landes nördlich der Straße London – Chester.   26).

 

 798 n. Chr.                         

Salzburg wird Erzbistum  26).