1880  

1880 ging es mit der Bahn  über Schwaigern nach Heilbronn weiter. 

Früher donnerte einmal der Schnellzug Paris-Karlsbad (Böhmen) über diese Strecke. Zwischendurch, bis zum Jahr 1990,  war es mühsam, die Bahnstrecke aufrecht zu erhalten.             

Nur mit Maßnahmen durch Eppinger Vereine, hauptsächlich ist der Schachclub zu nennen, sowie Mitwirkung der gesamten Bevölkerung gelang es, die Strecke zu erhalten.   10).

 

Die Volkszählung 1880

ermittelte  in Eppingen :

396 Wohnhäuser,

794 Haushaltungen,

1.599 evangelische Einwohner,

732 Katholiken,

50 Menoniten,

79 Baptisten,

1 Methodist,

9 sonstige Christen

und 151 Juden,

zusammen 3.622 Einwohner.

Das waren 206 mehr als im Jahr 1939 !

2.599 Einwohner waren Evangelisch,

732 Katholiken,

50 Menoniten,

79 Baptisten,

1 Methodist,

9 sonstige Christen

und 151 Israeliten. 1.1).

 

Als Vergleichsmöglichkeit seien andere Einwohnerzahlen des Jahres 1880 genannt:

Bretten erreichte gerade 4.034,

Heidelberg 36.042,

Heilbronn 31.256

und Karlsruhe 73.841 Einwohner. 1.1).

 

Die Automobilfirma Adler wird gegründet  20).

 

1880-1959                          

Der Missionar und Pfarrer Dr. Adolf Vielhauer 

(1880 bis 1959) war für die Basler Mission in Kamerun tätig.

Dort übersetzte er in mühevoller Arbeit die Bibel in die Balisprache, die erst vom Munde der eingeborenen abgelauscht und in ihrer Gesetzmäßigkeit entdeckt werden musste.

Die theologische Fakultät der Universität Heidelberg hat Vielhauer in Anerkennung seiner Leistung die Würde eines Ehrendoktors verliehen.

Er wurde außerdem mit dem Bundesversienstkreuz Erster Klasse und mit der Freiherr-vom-Stein-Plakette ausgezeichnet. Eppingen hat seinem großen Sohn mit der „Adolf-Vielhauer-Straße“ ein Denkmal gesetzt. 30).  1.2).

 

1881                                    

Fertigstellung des Neubaus der  Volksschule 

an der Kaiserstraße, Baubeginn war 1880, nördlich der Höheren Bürgerschule, dreigeschossig,  aus dem heimischen gelben Keupersandstein, im Stil klassizistisch beeinflusst. 

Heute ist  darin die  Grundschule untergebracht.  1.1).

 

Gründung des Verschönerungsvereines.

1914 war der Großherzogliche Oberförster Schaier Vorstand, gleichzeitig stand er dem Kriegerverein vor.    1.7). 20).

 

Die erste umfassende Sozialgesetzgebung

der Welt (Krankenversicherungsgesetz 1883, Unfallversicherungsgesetz 1884, Invaliditäts- und Altersversicherungsgesetz 1889) wird ins Leben gerufen 1.1).

 

Nachdem die Reformierten aus dem Langhaus der Altstädter Kirche  ausgezogen waren, konnten die Katholiken dieses käuflich vom Stift Sinsheim erwerben. 1.1). 33).

 

1882                                       

Kleinkinderschule

im großen, kreuzgewölbten Raum, in der Katharinenkapelle errichtet, nachdem die Stadt ab 12. November 1882 die St. Katharienenkapelle zur Verfügung gestellt hat.

Hier ist dann auch die ehemalige Kleinkinderbewahranstalt aus dem Diakonat untergebracht. 20).

 

1883                                     

Neubau Evangelisches Dekanats- und  Stadtpfarramt 1.1).

 

1884                                     

Die nach 1884 gegründete „Allgemeine Ortskrankenkasse“,

zunächst im Rathaus, dann im Bürgerschulgebäude untergebracht, erwarb als eigenes Dienstgebäude das Haus Bismarckstraße Nr. 5. 1.1).

 

Beginn der Deutschen Kolonialpolitik  33).

 

Westafrika: Blutiges Gefecht

zwischen der Mannschaft der deutschen Kriegsschiffe „Bismarck“ und „Olga“ und den aufständischen Negerstämmen (20.-22. Dezember 1884) 15.)

 

Westafrika : 

Die deutsche Flagge wird auf Kamerun an der afrikanischen Küste im Juli 1884 entfaltet 15.)

 

Im ehemaligen Gasthaus „Zum Badischen Hof“  stand das erste Schützenhaus,

dessen Fensterläden heute noch als Deckenschalung im „Grünen Hof“ bewundert werden können. 20).

 

1884-1971                          

Jakob Dörr,

 1884-1971, Verdienter Eppinger Verwaltungsfachmann, Kommunal- und Landespolitiker, wird am 19. März 1884 in Eppingen geboren.

Er war in der inneren Verwaltung des Landes Baden und im Ministerium des Innern in Karlsruhe tätig.

1921 wurde er zum Bürgermeister von Knielingen gewählt.

Die Nazis versetzten ihn aus politischen Gründen in den vorzeitigen Ruhestand.

Noch während der Besetzung durch die Franzosen wurde Dörr 1945 zum Bürgermeister seiner Heimatstadt Eppingen berufen. Dieses Amt füllte er unter großen Schwierigkeiten bis 1948 aus.

Nach Kriegsende erweckte Dörr zusammen mit anderen Komunalpolitikern den Verband badischer Gemeinden zu neuem Leben und wurde zu dessen Vorsitzenden gewählt.

Der verfassungsgebenden Landesversammlung Württemberg-Baden gehörte der Eppinger 1946 an.

Von 1946 bis 1952 saß er im Badischen Landtag.

Außerdem war er Sinsheimer Kreistagsmitglied.   1.3)., 30).

 

1885                                     

Cichorienanbau wird ab hier in Eppingen betrieben.

Die Verarbeitung der Cichorien begann im „Zylinderhof“, an der Stadtausfahrt nach Adelshofen, erbaut 1856,

erste Zuckerrübensammelstalle, dann Cichoriendarre,  später dann an der Heilbronner Straße  10.JK.)

 

Es fiel ein Hagelschlag,

welcher fast sämtliche Früchte im Richener Flur vernichtete, und im Winter lagen durchschnittlich 60-70 cm Schnee. 1.1).

 

Einwohnerzahl Eppingen:

3.552,

davon 2.687 evangelisch,

637 katholisch,

149 israelisch,

79 sonstige.

Haushaltungen 805.     15.)

 

Wirtschaft zum „Adler“:

In feierlicher Weise und in Anwesenheit von Stammtischgästen von der Wirtin, der Witwe Schäfer, wurde „der letzte Schoppen“ ausgeschenkt, da die Wirtschaft am Dezember 1885 in den Besitz des Metzgermeisters Karl Feeser aus Kleingartach zum Preis von 24.050 Mark übergegangen ist. 15.)

 

Auf dem Hornbuckel wird ein Pavillon gebaut. 20).

 

Das erste Einzylinder-Motorrad

wid von Daimler gebaut.  20).

 

1886                                     

Erster Forstamtsbau

in nördlicher Nachbarschaft der 1876 erbauten Evangelischen Stadtkirche.

Es ist ganz in Werkstein erbaut, zweigeschossig mit Walmdach.

Nach dem Umzug des Forstamtes in das frei gewordene Amtshaus richtete man im Erdgeschoss die evangelische Nähschule ein.

In den 40erJahren wurde das Haus von Brauereibesitzer Zorn gekauft und wird von dessen Familie bewohnt  1.1).

 

Im August vernichtet nachts ein furchtbarer Orkan viele Obstbäume und warf im Birkenwald mehr als 500 Ster Hölzer um, darunter die stärksten Eichen und Buchen. 1.1.)

 

Einwohnerzahl Eppingen:

3.016,

davon 593 katholisch,

2.225 evangelisch,

198 israelitisch;

Haushaltungen 562..

Die Volkszählung von 1885 hatte jedoch 3.552 Einwohner erbracht.  15.) 

 

Der Badener Carl Benz und der Württemberger Gottlieb Daimler

bringen mit ihren Erfindungen das Auto auf den Weg, das den nächsten Jahrhunderten sein Gepräge geben sollte 1.1). 20).

 

Turnverein 1865 Eppingen:

Die Mitgliederzahl beträgt im Jahr 1886 29 Aktive, 61 Passive und 7 Zöglinge.

Ein Ausflug nach Heidelberg am Pfingstsonntag startete früh am Morgen um 3 Uhr am Vereinslokal, dann ein Marsch nach Steinsfurt, Fahrt nach Neckargemünd mit dem Zug um 5,56 Uhr.

Von dort zu Fuß durch den Wald zum Kohlhof, nach dem Frühstück dort wurde der Posselsturm bestiegen.

Gegen halb elf Uhr kamen die Turner auf dem Königsstuhl an.

Auf beschwerlichem Weg ging es abwärts zur Molkenkur und schließlich zum Heidelberger Schloss.

Im Gasthaus „Zum Großen Fass“ wurde ein schmackhafter Imbiss eingenommen.

Nach der Stadtbesichtigung bot die Philosophenhöhe nochmals eine herrliche Rundsicht.

Mit den schönsten Erinnerungen brachte das „Dampfross“ nach 10 Uhr abends die Teilnehmer wieder nach Steinsfurt zurück.

„Zwar ermüdet, jedoch munter, setzten wir den Heimmarsch fort und kamen auch wohlbehalten wieder in unserem lieben Eppingen an“, heißt es in einem Zeitungsbericht.            

Auf dem Turnplatz fand am 7. Juni ein Schau- und Anturnen statt.

25 Aktive zeigten ihr Können mit dem Stab, an Streckschaukel, Barren, Reck, Schwingel und Sprungkasten.

Auch Freiübungen und Weitsprung standen auf dem Programm.

Bis zu dieser Veranstaltung hatte sich die Mitgliederzahl auf 107 erhöht. 15.)

 

Kirchweih in Eppingen fand 1885 noch Ende Oktober statt.

Gasthaus „Zur Altstadt“ bietet am Kirchweihmontag und –Dienstag ein großen „Katzenjammerfest“, verbunden mit Saueressen an. Zum Schluss saure Zungen gratis.

Bierbrauer Zaiß bietet am Kirchweihsonntag Bocksbraten nebst gutem neuen Wein, montags großes Saueressen an.

Kaufmann Freudenthaler bietet während der Kirchweih Rinds-, Kalbs- & Gansbraten nebst ausgezeichneten Eichelberger Weißwein, das Viertel zu 10 Pfg. an. 15.)

 

Viehzählung im Dezember in Eppingen:

  260 Pferde,

1.260 Rindvieh,

631 Schafe,

397 Ziegen,

1.453 Schweine,

4.724 Hühner,

1.112 Gänse,

243 Enten,

476 Tauben,

109 Bienenstöcke    15.)

 

Die Hügelgräber am Kopfrain,

die vor 25 Jahren geöffnet wurden, werden jetzt durch den Geh. Hofrat Dr. Wagner erneut geöffnet. Die Arbeiten am zuerst geöffneten Hügel waren nicht unschwierig, insofern als man mehrere Fuß tief im Boden auf ziemlich beträchtliche Steinlager stieß, die erst beseitigt werden mussten.

Die Arbeiten waren von befriedigendem Erfolg begleitet, indem sehr gut erhaltene Armspangen, Teile von fein gearbeiteten Halsgeschmeiden, Halsringe, Gürtel usw., alles aus Bronze, zutage gefördert wurden.

Mehrere Urnen, in Form von Schüsseln und Krügen enthielten Überreste von Knochen und Asche. 15.)

 

Turnverein 1865 Eppingen

hat sich im August am III. Kreisturnfest in Pforzheim beteiligt und einen 2. Preis errungen.

Eine Deputation holte am Montag, nach der Rückkehr der Turner am Sonntag, den Preis in Pforzheim ab.

Auf dem Bahnhof hatten sich zum festlichen Empfang der Gesangverein Eintracht, das städtische Orchester (Stadtkapelle) und Mitglieder des Turnvereins eingefunden.

Nach einem dreifachen „Gut Heil“ auf die deutsche Turnerschaft ging es in fröhlichem Marsch im Fackelzug zum Vereinslokal, dessen großer Saal die Teilnehmer kaum fassen konnte.

Vorstand Ernst Hochstetter begrüßte die Erschienenen mit einem dreifachen „Gut Heil“ auf die deutsche Turnerschaft, Gesangsvereinsvorstand Franz Ihle ließ ein Hoch ausbringen auf den Sänger und Turnwart August Wirth.

Dieser dankte dem Gesangverein für die Ausgestaltung des Abends mit Chören.

Bürgermeister Paul Bentel toastierte auf den Turnverein, dessen Mitglieder die Ehre und das Ansehen unserer Stadt nach außen gewahrt haben.

Auch Valentin Stellberger und Landwirtschaftslehrer Wunderlich hielten noch Ansprachen.

Es folgten noch Trinksprüche auf die Stadt und erst zu später Stunde trennte man sich wieder. 15.)

 

1886-1962  Philipp Vielhauer

(1886-1962) war Direktor der Volksbank Eppingen.

Neben seiner Berufsarbeit hat er sich sehr für das örtliche Vereinsleben eingesetzt.

Er war Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr,

Vorsitzender des Turnvereins

und zweiter Chef des oberen Kraichturngaus.

Außerdem stand Vielhauer dem Elsenzgau-Sängerbund vor

und gehörte zu den Mitbegründern des Verkehrsvereins, dessen geschäftsführender Vorstand er war.

Vielhauer ist der Vater der Eppinger Heimattage.   30).

 

1887-1888                          

Ein Bild des Winterkurses 1887/88  von der Kreislandwirtschaftsschhule Eppingen

zeigt die Absolventen, hinter damals gebräuchlichen Pflügenaufgestellt.

Folgende Personen sind zu sehen: Theodor Wirth, Michel Junker (Obergimpern), Valentin Engelhardt, Heinrich Zimmermann (Tairnbach), Jakob Funk (Michelfeld), Johann Kern (Sulzfeld), Karl Schoder, Georg Schoder (Lohrbach), Wilhelm Salzgeber (Daisbach), Johannes Heitlinger (Rohrbach), Friedrich Vielhauer (Sohn des landwirts Jakob Vielhauer Heinrich SohnI, Weiss, Karl Romich (Ittlingen), Johannes Fellmann (Lobenfeld), Friedrich Scheder (Ittlingen), Karl Limberger (Elsenz), Franz Hahn, Wilhelm App (Zaisenhausen), Amtmann Deitigsmann, Vorstand des Großherzoglich Badischen Bezirksamts Eppingen, Heinrich Bär (Gemmingen), J. Schwarz, Lehramtspraktikant von der Höheren Bürgerschule, Bezirkstierarzt Bechtold, Schulvorstand Weitzel, Handelsgärtner Kögel senior, Leonhard Holzwarth (Elsenz), Heinrich Ries (Rohrbach b.Epp.), Heinrich Hörn (Richen), und Joseph Löhr (Rohrbach b.Epp.).  

 

1889                                     

Gründung des Evangelischen Kirchenchores.

Er ist sofort nach seiner Gründung, im Januar, dem „Verband der Evangelischen Kirchengesangsvereine“ beigetreten und wird seit dort mit 44 Mitgliedern geführt.

Die ersten Jahre des Kirchenchors waren belastet durch Meinungsverschiedenheiten zwischen dem damaligen Ortspfarrer Dekan Hermann Wirth und dem Kirchenchor.

Seine Gründung erfolgte gegen den Willen Wirths, denn jener habe, wie er meint, nur den Zweck „… Vikare für heiratslustige Mädchen aus gewissen Familien (zu fangen)“.

Die Initiative zur Gründung ergriff der Kirchengemeinderat Philipp Vielhauer, der auch erster Vorsitzender dieses „Kirchengesangvereins“, wie es sich zunächst nannte, wurde.

Das ohnehin gespannte Verhältnis zu Dekan Wirth spitzte sich derart zu, dass 1890/91 Pfarren und Kirchenchorleitung nur noch schriftlich miteinander verkehrten.

Der ständigen Reibereien überdrüssig, legte Chorobmann Vielhauer im Dezember 1891 den Vorsitz nieder, ebenso Dirigent Hauptlehrer Ferdinand  Gaum.

Die Chorproben wurden ab 12. März 1892 vorläufig eingestellt.

Am 21. Januar 1895, wenige Monate nach dem Tod Wirths (25. August 1894), nahm der Chor unter dem Pfarrverwalter Schmidt seine Proben wieder auf.

Der Ausbruch des ersten Weltkrieges zwang den Chor, seine Tätigkeit einzustellen. 

Wenige Wochen nach Kriegsende begann der Chor wieder zu Proben.

Von 1939 bis 1946 ruhte infolge des 2. Weltkriegs erneut der Probebetrieb.

Am 30. November 1946 veranstaltete der Chor sein erstes Kirchenkonzert nach dem 2. Weltkrieg.

Zu Beginn der 1950-er Jahre weitete der Chor sein Veranstaltungsprogramm immer weiter aus.

Es fanden Familienabende mit einem Theaterstück jährlich als Höhepunkt statt.

Maiwanderungen erfreuten sich jahrelang großer Beliebtheit, ebenso die monatlichen Kaffeekränzchen bzw. Kaffeeabende.

Am 18. Mai 2014 wurde das 125-jährige Bestehen des Chores mit einem Festgottesdienst gefeiert.

Er besteht im Jubiläumsjahr aus 34 Mitgliedern.

Zusammen mit dem Heidelberger Kantatenorchester und Gesangssolisten, verstärkt durch eine große Zahl an Projektsängern, wurden am Abend Teile aus dem Oratorium „Der Messias“ von Georg Friedrich Händel aufgeführt unter sehr großer Publikumsbeteiligung.   1.1). 11).  10.JK).

 

1889-1957 Pfarrer Emil Thoma,

1889-1957,

war seit 1924 katholischer Stadtpfarrer in Eppingen und Mühlbach.

Das NS-Regime hielt ihn von 1941 bis 1945 im Konzentrationslager Dachau fest.

Nach seiner Rückkehr setzte sich Thoma für die Beseitigung der großen Wohnungsnot ein und gründete die gemeinnützige Baugenossenschaft „Neue Heimat“, später Familienheim Kraichgau.

Er hat dadurch vielen Familien zu einem Eigenheim verholfen.

Die Baugenossenschaft hat inzwischen 1.100 Häuser mit 2.000 Wohnungen erstellt.

Emil Thoma wurde 1957 auf dem Eppinger Friedhof beigesetzt, die Schwimmbadstraße nach ihm umbenannt.  30).

 

1890                                     

Gründung des Radfahrvereins (RV) Eppingen 1.1).

 

Renovierung der Kath. Stadtpfarrkirche „Unserer lieben Frau Mariä Himmelfahrt“ (Altstädter Kirche).

Hierbei erhielt sie 3 Altäre aus der berühmten Bildschnitzerei Metzger in Überlingen, die Kreuzwegstationen aus Lindenholz wurden in Oberammergau gefertigt.

Unter Einhaltung der acht Freskenfelder aus dem 15. Jhd. an der Nordwand wurde die Kirche neu ausgemalt und erhielt an der Holzdecke, auch gemalt, von Vierpässen eingefasst, die Kolossalfiguren des heiligen Erzengels Michael, Gregors des Großen, der Kirchenväter Ambrosius, Augustinus und Hieronymus und der heiligen Cäcilia.  1.4). 

Das nördliche Seitenschiff wird abgebrochen, die Kirche wird renoviert und ein Chorgewölbe eingebaut 33).

 

Die Kaiserliche Post erstellt 1890 ihr Postamtsgebäude in Sandstein und Backstein-Sichtmauerwerk am Bahnübergang, Bahnhofstraße 34.

Es war die Nähe zum Bahnhof, die dieses Gebäude an der Stelle entstehen ließ.

Die Postler, damals im blauen Rock und weißer Diensthose schoben noch  einen gelben Handkarren zur Gepäckförderung zum Bahnhof.

Die Postfiliale, zum Postamt Karlsruhe gehörend, zieht 1989 von der Bahnhofstraße zum neuen Postzentrum an der Mühlbacher Straße um, später in die Frauenbrunnerstraße  1.1). , 14)., 4).

 

Ebenfalls in der Bahnhofstraße, in der Nähe des Postamtes, vor allem aber in der Nähe des Bahnhofes entstand, zwischen den beiden Bächen, auf Pfählen fundamentiert, der neue „Gasthof zum Schwanen“.

Damit besaß Eppingen seinen dritten Saalbau.

Im Hof befand sich die Wanderherberge.

Noch heute kann man die „Laubsägeromantik“ am Giebel erkennen, sowie ein Erkertürmchen 1.1)., 4).

 

Die Zichoriendarre, in Eppingen Zichorienfabrik genannt

wird zwischen der Heilbronner- und der Goethestraße (heute Theodor-Strom-Straße) gebaut.

Der Stammsitz der Firma war in Ludwigsburg, die Firma Franck und Kathreiner.

Lange Reihen pferdebespannter Fuhrwerke bewegten sich im Herbst durch die Stadt, um die Feldfrüchte beim Lagerhaus und der Zichorienfabrik abzuliefern.

Die Zichorien wurden auf einer großen Wiese an der Ecke Goethestraße/Vierordtstraße durch Landwirte, meistens noch mit Pferde- oder Kuhgespannen in hölzernen, mit Stahlreifen beschlagenen Rädern Bauernwagen angefahren und durch Umkippen mittels einer Handwinde und Herunterziehen der Zichorien mit Karsten und Gabeln,  abgeladen.

Es entstanden dadurch mehrere Meter hohe Halden von Zichorienrüben.

Die Straßen in der Umgebung sahen natürlich im Herbst bei der Anlieferung, durch die Eisenräder entsprechend aus und bestanden fast nur noch aus Schlamm.

Die Straßen waren damals ja noch nicht geteert.

Dann beförderten die Arbeiter der Fabrik die Rüben suksessive in die Mitte der Wiese mittels Handarbeit, mit großen Rüben-Gabeln und Gummiförderbändern.  

Dort war ein großer Schwemmkanal, der mit Wasser gefüllt war und den Transport der Rüben zur Fabrik, unter der Straße, erledigte.

Die Rüben wurden gewaschen, der entstandene, sehr fruchtbare Schlamm, wurde wieder über einen Schwemmkanal unter der Straße hindurch in einen, speziell dafür angelegten Schlammsee befördert.

Dort blieb er den ganzen Winter lang, bis sich das Wasser absetzte und nur noch Schlamm im See war.

Im Übrigen verbreitete er oft einen üblen Geruch in der Südstadt und lockte jede Menge Ungeziefer und Kröten an.

Im Sommer konnte man in der näheren Umgebung kein Fenster nachts offen lassen wegen des Gestanks und auch sehr lauten Kröten- und Froschkonzertes.

Trotzdem blieb an der Oberfläche genügend Wasser, sodass die Jugend im Winter auf dem entstandenen Eis Schlittschuh laufen oder Eishockey spielen konnte.

Im Frühjahr schaufelten dann die Arbeiter der Zichorienfabrik den Schlamm auf Eisenloren, welche auf Schienen und mittels Seilzügen nach oben geschafft und Richtung Süden auf das Gelände ausgebracht wurde.

Dies gab natürlich eine fruchtbare Gartenerde, aber durch das viele Wasser und den Schlick verfestigte sich der Boden nicht sehr und war dauernd schwabbelig.

Dies musste dann auch der spätere Käufer des Geländes, die Firma Dieffenbacher, feststellen. Fast alle darauf gebauten Gebäude mussten durch Pfählung tiefgegründet werden.

Im Sommer diente der See übrigens als 1.  Schwimmbad, bevor das Eppinger Freibad gebaut wurde.

 

Die gewaschenen Zichorienwurzeln wurden geschnitzelt, die Schnitzel in großen Darren getrocknet.

Die Arbeiter waren auch über Nacht mit dem Darren der Rüben beschäftigt  und arbeiteten mit nacktem Oberkörper wegen der großen Hitze an den Darröfen.

In der ganzen Umgebung konnte man nachts den Feuerschein der Öfen sehen.

Ebenfalls lag ständig ein sehr intensiver, süßlicher Geruch in der Luft.

Selbst nach der Schließung der Fabrik, als in Leingarten die Zichorienaufbereitung weiterging, konnte man, bei Ostwind, diesen bekannten Geruch in Eppingen wahrnehmen.

Dann wurden die gedarrten und getrockneten,  sehr  leichten Zichorien-Schnitzel in die „Versandhalle“ (lange Holzscheune) 2 Stockwerke nach oben geschafft und mittels der dann dort beladenen Loren, über die Heilbronner Straße, auf einer eigens dafür gebauten Stahlbrücke mit Gleisen, auf das erste Bahngleis des Bahnhofes in dafür vorhandene Waggons gekippt und nahmen dann die Reise nach Ludwigsburg auf, wo sie dann zu Kaffeeersatz verarbeitet wurden.

Der Inhaber war die Firma Franck und Kathreiner aus Ludwigsburg. 

Die  Fabrik in Eppingen  war in Betrieb bis 1966.

Dann wurde das gesamte Gelände von der Firma Dieffenbacher, dem Nachbarn, gekauft,

1998 wurde das Wiegehäuschen renoviert, in den späteren Jahren jedoch wurden die Anlagen abgerissen und das Gelände neu bebaut bzw. als Mitarbeiterparkplatz genutzt 10. JK)., 4).

 

1891                                     

Beschluss des Gemeinderates am 31.3., ein Krankenhaus zu erbauen 1.1).

 

Männerhilfsverein  im April gegründet.

Die Aufgabe dessen ist, bei Unglücksfällen im Kriege usw. Hilfe zu leisten  1.7).

 

1894                                     

Städtisches Krankenhaus wird ab dem 1. Juni erbaut 1.1).

 

Gründung des Imkervereins Eppingen 1.1).

 

Zigarrenindustrie

erlebt großen Aufschwung. 1.1.)

 

1895                                     

Fertigstellung des Städtischen Krankenhausbaues

(auch Bezirkskrankenhaus) am 15. Oktober.

Das Städtische Krankenhaus, seinerzeit Spital geheißen, besitzt eine lange Tradition.

Bereits 1559 taucht es in einer Urkunde auf. Im 18. Jahrhundert befand sich das „Alte Spital“ inmitten der Altstadt im heutigen Armenhaus. Zu dieser Zeit bestanden mindestens acht gemeinnützige Stiftungen.

So begründete Apotheker L. Lotter 1877 testamentarisch den Spitalfond, um den Grundstock für ein neuzeitliches Krankenhaus zu legen.

Schließlich konnte man am 15. Oktober 1895 den Neubau am Ortsausgang Richtung Karlsruhe eröffnen.

Der schmucke Sandsteinbau auf einem über 90 ar großen Grundstück wies zweiundfünfzig Krankenbetten auf und verfügt über einen heute noch brauchbaren Grundriss. 1896 wurde der Krankenpflegeverein gegründet. 1.7)., 4).

 

Die „alte Synagoge“

blieb erhalten, nachdem die neue Synagoge 1873 in der Kaiserstraße eingeweiht wurde.

Sie liegt in gerader Richtung der Kaiserstraße hinab 165 Meter bergab, in der Küfergasse, das zweite Haus rechts.

Sie war unter glücklichen Umständen von der jüdischen Gemeinde 1895 an Privat verkauft worden und schlummerte als Wohnhaus durch die Zeiten.

1962 wurde das Fachwerk freigelegt und seit 1973 ist das Gebäude wieder als alte Synagoge erkennbar.

Unter dem Keller ist ein rituelles Judenbad (Mikwe) verborgen.

Es ist älter als das Haus und wurde Jordanbad genannt.

Da es eine Aufnahme aus dem 19. Jahrhundert nicht gibt, kann man den damals und heute wieder sichtbaren Knasstein, im Volksmund „Davidstern“ geheißen am Gebäude selbst wieder anschauen.

Seine Rettung verdanken wir der Standhaftigkeit eines kleinen Mannes 1.8).

 

Eine Kirchenkonsekration

fand am 16. Mai durch Weihbischof Knecht von Freiburg statt.

Die Geschichte vermeldet bereits eine Konsekration durch Weihbischof Petrus von Speyer am 25./27. April des Jahres 1445. 33).

 

1896                                     

In Eppingen existieren sechs Gerbereien 1.1).

 

Gründung des  (evangelischen) Krankenpflegevereines Eppingen.

Die Gründung der damaligen  Sanitätsabteilung  fand im Gasthaus „Krokodil“ am 17. Februar durch den Kriegerverein statt.

Sie war bald als freiwillige Sanitätskolonne Eppingen selbständig tätig.  

Er wird geleitet von Stadtpfarrer Ludwig Reimold, Stadtpfarrer von 1871-1894.

Heute nennt sich dieser Verein „Deutsches Rotes Kreuz, Ortsverein Eppingen“ 1.7).

 

1897                                     

Schwerer Hagelschlag

mit Orkan und folgender Überschwemmung.

25 Minuten dauerte das Hagelwetter an, Hagelkörner, so groß wie Hühnereier hatten Gärten und Getreidefelder zerschlagen. Bäume wurden ausgerissen und lagen“ zerschmettert auf Feld und Straße“.

Das Übungshaus der Feuerwehr war umgerissen, ein Zug Soldaten des 2. Badischen Grenadier-Regiments Nr. 110 aus Mannheim half beim Aufräumen, der Erbgroßherzog und die Erbgroßherzogin spendeten 600 M.

Den Bahnvorstand traf vor Schreck ein Herzschlag.   1.1).

 

Die freiwillige Sanitätskolonne

stand als zweite, ausschließlich der Nächstenhilfe dienenden Truppe seit 17. Februar 1897 zur Verfügung.

Im Gründungsjahr übte der Gerichtsvollzieher das Amt des Kolonnenführers aus und der Oberstabarzt hatte die Ausbildung übernommen.

Immer wieder tauchen Bezirksbeamte und Zahnärzte neben Handwerksmeistern als führende Kräfte auf.

1904 wurde für die aktive Mannschaft eine einheitliche Uniform eingeführt.

Heute gehören die ehrenamtlichen Sanitäter als Bereitschaft Eppingen zum Kreisverein des Deutschen Roten Kreuzes 1.7).

 

Ein Radfahrerverein wird gegründet,

der durch Ausfahrten Geselligkeit pflegte. Vorstand war Druckereibesitzer Heinrich Luz.   1.1). 15.) 20).

 

Erbauung des Gasthofes „Zur Eisenbahn“. 

Es ist ein zweigeschossiger Wersteinbau mit Durchfahrtstor und Neo-Renaissance-Zwerchhaus, acht Fensterachsen.

Heute ist dort die Firma Michael, Spulenkörperfabrik, untergebracht.  1.3).

 

1898                                     

Gründung der Glaserei Lang

durch Friedrich Lang in der Eppinger Altstadt.

1922 wurde der Betrieb in die Schillerstraße verlegt.

1932 Übernahme durch Glasermeister Walter Lang.  Zerstörung des Betriebs im 2. Weltkrieg.

1954 Fertigung von Metallfenstern, -Türen und Schaufensteranlagen.

Neubau eines Fensterwerkes an der Landstraße  nach Heilbronn.

1961 Holz-Leichtmetallbau zusätzlich in die Fertigung aufgenommen 1.1).

 

Die Automobilfirma Opel wird gegründet.

Das Werk fertigt 1924 als erstes Werk in Serie.   20).

 

1899                                     

Gründung der „Eppinger Zeitung“

durch Buchdruckermeister Heinrich Luz 1.1).

 

Der Eisenbahnanschluß über Steinsfurt nach Heidelberg wird eingeweiht.  10).

 

Gründung des Männergesangvereines Eppingen,

er bestand bis 1920 1.7).

 

Zigarrenfabrik Carl Jost fabriziert in der „Alten Universität 1.1).

 

Weltuntergang

soll, nach Berechnungen des Leipziger Professors Falb in der Nacht auf den 13. November erfolgen, durch einen eventuellen Zusammenstoß der Erde mit einem Kometen. Es passierte jedoch nicht 15.)

 

Eine sechsklassige Realschule wird in Eppingen errichtet. 33).