1800

Eppinger Moritz

Angesehener Rechtsanwalt und Synagogenrat in Eppingen. Er kämpfte für die Gleichberechtigung wird geboren.

Er wurde als Sohn des Metzgers Isaak Eppinger und seiner Ehefrau Regina, geborene Jakobsohn am 16. September 1800 in Eppingen geboren. Sein Elternhaus stand direkt neben der Alten Synagoge an der Brettener Straße.

Zunächst strebte er die badische Beamtenlaufbahn an und legte 1824 das sogenannte Skribentenexamen mit dem Ergebnis "vorzüglich befähigt" ab.

Die Aufnahme in den Staatsdienst wurde ihm jedoch vom Ministerium des Innern verwehrt.

Die Gleichberechtigung der Juden steckte noch in den Anfängen.

Die Aufnahme in den Staatsdienst wurde erst mit dem Emanzipationsgesetz von 1862 möglich gemacht.

Er entschied sich für das Jura-Studium an der Universität Heidelberg.

Nach bestandener Staatsprüfung ließ er sich in Eppingen als Rechtsanwalt nieder.

Seit 1844 bis zu seinem Lebensende gehörte er dem Synagogenrat an, dessen größte Aufgabe der Neubau einer Synagoge für die wachsende Gemeinde wurde.

Er war ein angesehener Rechtsanwalt in Eppingen und Umgebung, der sich für die Gleichberechtigung der Juden einsetzte.

Als guter Redner und Vertreter der jüdischen Gemeinde war er bei offiziellen Anlässen der Stadt gerne gesehen.

Rabbiner L. Schlessinger bezeichnete ihn bei der Trauerrede an seinem Grab 1878 als einen "höchst würdigen Mann, als Mensch, als Israelit und als Beamter".

Ein Porträt von ihm, als 32-jähriger, als Ölbild auf Leinwand, gemalt von August Bootz, hängt seit August 2016 in der alten Universität.     19).

1800-1878

Badische Meile

Das Längenmaß der Badischen Meile  - eben 8,88889 Kilometer - ist schon etwas abstrus. Markgraf Carl Friedrich von Baden soll es um 1800 gewesen sein, der das Längenmaß hat einführen lassen.

Die Grundlage dafür soll ein Sonntagsspaziergang durch den Hardtwald gewesen sein, bei dem Carl Friedrich besagte Länge zurücklegte. Für ihn könnte das möglicherweise ein "Sonntags-Spaziergangslauf-Rekord" gewesen sein. Daraus wurde dann per Dekret die Badische Meile.

1800

Zum Gedenken an dieses badische Maß wird seit 1990 die erste Laufveranstaltung mit der  Bezeichnung "Badische Meile" durchgeführt. Zu den Anfangsveranstaltungen waren rund 1.000 Teilnehmer am Start.

1990

Im Jahr 2017 starten insgesamt 6.000 Teilnehmer bei der 28. Badischen Meile.

Die Strecke verläuft von der Hermann-Veit-Straße über die Brauerstraße, Kriegsstraße, Beiertheimer Allee, Hohenzollernstraße zum Carl-Kaufmann Stadion, neben der Europahalle.

Bei den Männern liegen die Spitzenzeiten um die 26 Minuten, die Topzeiten der Frauen liegen um 30 Minuten.

Der Ausrichter ist die LGR Karlsruhe (Leichtathletik-Gemeinschaft Region Karlsruhe). Sie ist ein Zusammenschluss von derzeit zwölf Vereinen.  Zu den Mitgliedsvereinen gehören unter anderemTuS Rüppur, TSV Daxlanden,  TV Malsch.

Rund 250, zumeist ehrenamtlich Helfer sorgen dafür, dass die Meile reibungslos über die Bühne geht.

Laut LGR investiert der Verein gut 125.000 Euro in das Komplettpaket Badische Meile. Mit dem Veranstaltungserlös - eine wichtige Rolle spielen dabei auch Sponsoren - wird der Leichtathletikbetrieb der LG finanziert.

Das Leistungssportkonzept der LGR besteht aus vier Bereichen: der Sichtung und Einstufung von Talenten, der Optimierung des schulischen und beruflichen Umfeldes, dem Training und der medizinischen Unterstützung sowie der finanziellen Hilfe durch Sponsoren und den Fördervereinen.

So erlaubt etwa das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) als Partnerhochschule des Spitzensports, das Studium mit dem Training zu verknüpfen.

2017

 

 

1801                                     

Friede von Luneville; Frankreich erhält das linke Rheinufer. 33).

 

1803                                     

Die Stadt Eppingen kommt am 25.2.1803 durch den Reichsdeputationshauptschluß  zum Kurfürstentum Baden  und erlebte um die Jahrhundertwende eine Blüte, die sich in den Straßen der baulichen Erscheinung des Stadtbildes wiederspiegelte.  1.1). 

 Im Rahmen des Reichsdeputationshauptschlusses wurde durch die Mediatisierung des Adels und der Freien Reichsstädte sowie durch die Säkularisierung geistlicher Herrschaften Deutschland von Napoleon neu geordnet.

Dies hatte auch Auswirkungen auf unseren Raum.

Das Hochstift Speyer und mit ihm auch das Ritterstift Odenheim wurden aufgelöst und mit der rechtsrheinischen Pfalz Baden zugeschlagen.

Bis auf Kleingartach wurden alle anderen sechs Stadtteile badisch.

Die alte württembergisch-pfälzische Grenze im Hardtwald zwischen Kleingartach und Eppingen war nun eine württembergisch-badische Grenze, wie sich heute noch anhand der Wappen und Aufschriften auf den Grenzsteinen entlang des Grenzwges ablesen läßt. 25).

 

Fachwerkhaus Rohrbach a.G., Mönchsberg 6, wurde um 1800 erbaut.  1.8).

 

1803-1933                          

Eine Abhandlung über die Eppinger Geschichte von 1803-1933 findet sich im Band 2 „Rund um den Ottilienberg“, Seiten 203-226  1.2).

 

1804                                     

Die Fachaufsicht über die Metzgerzunft wird noch durch die Curfürstlich Badische Landvogtei Michelsberg ausgeübt 1.1).

 

Napoleon der I. wird Kaiser der Franzosen. 33).

 

1805-1807                          

Dritter Koalitionskrieg gegen Frankreich, dabei sind badische Truppenkontingente für Napolen I. im Einsatz.

Nach Spanien (1808), Kroatien und Serbien (1809), französischer Feldzug gegen Preußen (1806-07).

Der Ruhm , den badische Soldaten in Russland bei der Winterschlacht an der Beresina 1812 errangen, nützte ihnen und ihren Angehörigen nichts, denn von 7166 Mann, die nach Russland marschieren mussten, erreichten beim Rückzug nur 180 lebend die Weichsel 1.1).

 

1805                                     

Eppingen hat 2320 Einwohner 12.)

 

Württemberg versucht,  sich, durch militärische Besetzung, Stebbach anzueignen 1.1).

 

1806                                     

Großherzogwürde für Carl Friedrich. Er regiert 65 Jahre 1.1).

 

Bei der Altsdädter Kirche mussten die Katholiken einen Flügel (Querhaus) nach Norden hin anbauen.

Nachdem die Reformierten 1881 aus dem Langhaus ausgezogen waren, konnte 1881 das Langhaus von den Katholiken käuflich erworben werden. 1.1).

 

Karl Mann, 1806 – 1869, bedeutender Pfarrer in Eppingen seit 1859.

Von 1844 bis zu seinem Tode redigierte er das christliche Wochenblatt „Das Reich Gottes“ und gab wesentliche Anstöße zur Gründung des Mutterhauses Nonnenweier durch Mutter Jolenberg, die es sich zur Aufgabe machte, Kindergärtnerinnen für die rasch wachsende Zahl neugegründeter Kindergärten heranzubilden.

Mann nahm auch mit zahlreichen Schriften an den theologischen Auseinandersetzungen seiner Zeit teil;

diese zeigen, daß er um die geistige Problematik seiner Epoche Bescheid wußte.  30).

 

Franz der II. von Habsburg legt die Kaiserkrone nieder, Ende des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. 33).

 

Napoleon der I. ist siegreich gegen Preußen und Rußland. 33).

 

1807       

Eppingen wird Großherzogliches badisches Stabsamt 1.1).

 

Fachwerkhaus Eichgasse Nr. 4. Heute nur noch als Seitengiebel zu erkennen.

Früher Ein-Mann-Schreiner am „Industriehafen“ (Elsenzkanal)

 

1807-1809                          

Eppingen und Mühlbach werden zu einem Stabsamt zusammengefasst.

Aus der Ende des 18. Jahrhunderts in Aussicht gestellten Kurpfälzischen Garnison war jedoch nichts geworden.

Allerdings hätte die Stadt zuvor eine Kaserne für über 100 Mann erbauen müssen 1.1).

 

1809                                     

Bretten sollte einige Orte abgeben und dafür das bisherige Stabsamt Eppingen erhalten.

Und zum Amt Gochsheim (frühere württembergische Herzogsresidenz) sollte noch das Amt Odenheim (Hauptort des stiftischen Gebietes) kommen 1.1).

 

Napoleon der I. besiegt die Österreicher bei Wien. 33).

 

1810                                     

Anstelle des aufgelösten Amtes Gondelsheim wird das Amt Eppingen geschaffen,

mit der Stadt Eppingen und Mühlbach (vom Amte Bretten), Odenheim, Tiefenbach, Eichelberg und Waldangelloch (vom Amte Gochsheim),

dem Fürstlich Leiningschen Amt Hilsbach,

der Grundherrschaft Menzingen

und dem grundherrschaftlichen Amt Gemmingen mit seinen Orten Adelshofen, Berwangen, Dammhof, Gemmingen, Ittlingen, Stebbach und Streichenberg.

Das in seinen neuen Grenzen sehr viel größer gewordene Großherzogtum stand vor der schwierigen Aufgabe, nicht nur Franken im Norden und Alemannen im Süden in einem Lande zu vereinigen, sondern auch eine Vielzahl kleinerer selbständiger Herrschaften – besonders zahlreich waren diese im Kraichgau – zu einem einheitlichen Staatsgebilde zusammenzuschweißen.

Musste anfangs noch behutsam mit den Standes- und Grundherrschaften umgegangen werden, gewannen schließlich die Ziele einer vernünftigen staatlichen Verwaltungseinteilung die Oberhand 1.1).

 

Mühlbach wird wieder eine selbständige Gemeinde 12.) 25).

 

1811                                     

Karl Ludwig tritt die Nachfolge als Großherzog von Baden an (bis 1818)  nach Carls Tod.  1.1).

 

In Eppingen existieren vier Gerbereien. 1.1).

 

Aufhebung des Frondienstes in Preußen durch Hardenberg. 33).

 

1812                                     

Gasthof „Zum Engel“ wird erbaut,

er verfügt über ein Nebenzimmer, das so groß war wie die Gaststätte, einen Saal mit Bühne, einen zweiten großen Saal, und außerdem über eine Scheune und Stallungen.

Seit 1959 ist im „Engel“ eine Druckerei tätig.

Ab 2010 ein Fotogeschäft mit Studio 1.1)., 4).

 

Fachwerkhaus Brettener Straße 34 wird erbaut.

Es handelt sich um die „Alte Sonne“, die ursprünglich als Dreiseithof erbaut wurde.

Das Gebäude wurde 1990 abgerissen zugunsten eines Geschäfts-Neubaus. 1.8)

 

Napoleon I. scheitert vor Moskau 33).

 

1813                                     

Völkerschlacht bei Leipzig;

Napoleon wird durch Russen, Österreicher und Preußen besiegt. 33).

 

1813-1815                          

Befreiungskriege beseitigen das Joch der Fremdherrschaft 1.1).

1813-1924                          

Am 24. Juli 1813 entstand, zunächst dem Pfinz- und Enzkreis zugehörig, das Bezirksamt Eppingen.

Ihm wurden unterstellt:

die Stadt Eppingen mit Mühlbach (vom Amte Bretten),

die Orte Rohrbach, Richen (zwischen 1840 und 1849 gehörten diese beiden Orte dem Leining’schen Amt Sinsheim an),

Eichelberg und Landshausen (vom aufgelösten Amte Gochsheim),

aus den Grundherrschaften im Neckarkreis die Orte Adelshofen, Berwangen, Dammhof, Gemmingen, Ittlingen, Stebbach und Streichenberg,

das Dorf Schluchtern (vom Amt Sinsheim)

und das Justizamt Hilsbach (ebenfalls vom Amt Sinsheim).

Das Bezirksamt zog weitere zentralörtliche Einrichtungen nach sich wie z.B. :

das Amtsgericht,

das Notariat,

das Amtsgefängnis,

das Eichamt,

die höhere Bürgerschule,

die Bezirksgewerbeschule

und die Landwirtschaftsschule.

Die neue Verwaltungsfunktion gab der Entwicklung Eppingens im 19. Jahrhundert kräftige Impulse. 

"Damals war „Eppingen, eine mittelmäßige Stadt, auf der Gränze zwischen dem Kraichgau und dem Elsenzgau, zwey Meilen von Bretten nordostwärts entfernt…“. Sie wird von der Elsenz bespült, liegt an der Landstraße von Bruchsal nach Heilbronn, ist die letzte Poststation dieser Straße allda"   

(der beschreibende Zeitgenosse, dem wir hier in Auszügen folgen, meint natürlich ostwärts die letzte badische) und hat 2.320 Seelen, 336 Häuser und 4 Mühlen.

Sie war ehemals weit ansehnlicher als jetzt.

Von der Hauptkirche, die ein schönes Denkmal des Alterthums ist, besitzen die Katholiken das Chor, die Reformierten das Langhaus, so wie die Lutheraner eine zweyte alte Pfarrkirche dieses Ortes, die Peterskirche.

Jedes Kirchspiel ist von einem Pfarrer bedient, welcher reformirter Seits noch ein Helfer beygegeben ist …

Die Stadt hält jährlich 4 Krämer- und 4 Viehmärkte, auch ist sie berechtigt, in jeder Woche zwey Wochenmärkte zu halten, die aber nicht betrieben werden, indem die hiesigen Einwohner ihre Gemüse- andere Lebensbedürfnisse sich meistens selbst pflanzen"

 

Den Ortsvorstand bilden ein Oberbürgermeister, 6 Ratsverwandte und ein Stadtschreiber.

Hier befindet sich ein großherzoglicher Wehrzoll.

An Gewerbs- und Handwerksleuten zählte die Stadt 207.

Zu gleicher Zeit waren in Hilsbach 70 bei 1.053 Einwohnern ansässig, und in Sinsheim kamen 194 auf 1.746 Einwohner.

In der Stadt standen ein katholisches Schulhaus, das lutherische Schulhaus, eine reformierte Schule ohne eigenes Haus, ein katholisches, ein reformiertes und ein lutherisches Pfarrhaus, die St. Leonhardskapelle auf dem Kirchhofe, und noch 1780 wurde die Stadtkirche, so durch eine Zwischenmauer getrennt, zwölf Apostel genannt.

Bei der Freilegung und Konservierung der gotischen Wandmalereien im Chor kamen 1962/63 in der untersten Zone zwölf Apostel zum Vorschein, womit eine schöne Übereinstimmung des Befundes am Bau mit der urkundlichen Überlieferung gegeben ist.

 

Das Einrichten eines Amtsbezirkes – im Württembergischen hieß dies Oberamt, und heute würde man ein „kleiner Landkreis“ dazu sagen – bedeutete ein freudiges Ereignis, denn damit war ein wichtiger Grundstein zur Hebung der Bedeutung der Stadt gelegt und eine folgenschwere Grundlage zur weiteren Entwicklung und Aufschwung von Stadt und Land geschaffen.

 

Wie sehr Eppingen von seiner Funktion als Amtsstadt profitierte, wird auch durch die Zunahme der Bevölkerungszahlen deutlich:  1805 zählte es 2.320 Einwohner,

1885 bereits 3.622

und 1939 4.160 Einwohner.    

Die Stadt Kleingartach dagegen, die seit der Einverleibung durch Württemberg dem Oberamt Brackenheim unterstellt war, hatte 1870 erst 945 Einwohner, 1939 sogar nur noch 803.  Ohne zentralörtliche Einrichtungen behielt sie eine dörfliche Struktur.

 

Langsamer als in Eppingen verlief auch die Bevölkerungsentwicklung der übrigen fünf Stadtteile im 19. Jahrhundert.

Trotz Auswanderungen vor allem nach Nordamerika stieg sie dort bis etwa 1880/90 kontinuierlich an;

von 1885 bis 1939 war sie jedoch in Richen, Rohrbach und Elsenz leicht rückläufig, in Adelshofen gab es im gleichen Zeitraum eine geringfügige Zunahme.

Der Mangel an Arbeitsplätzen am Ort führte zur Abwanderung in die Industriestädte und damit zur Stagnation.

Lediglich Mühlbach verzeichnete durch seine gut gehenden Sandsteinbrüche und Steinmetzbetriebe, die vielen Menschen Arbeitsplätze boten, noch bis zum ersten Weltkrieg einen kräftigen Bevölkerungszuwachs.

Der Wohlstand der Gemeinde in jenen Jahren zeigt sich noch heute in den prächtigen Sandsteingebäuden in der Stadtmitte. 25).

 

Diese Einheit wirkte selbst nach ihrer Auflösung 49 Jahre später noch  lange nach dem Amtsgerichtsbezirk Eppingen, im Dienstbezirk des Forstamtes, bei der Krankenversorgung, im Gewerbeschulbezirk, im Verbreitungsgebiet der alten Eppinger Zeitung und im Verband der Gewährleistungsträger der Sparkasse Eppingen zum Teil heute noch.

 

 Im Amtshaus ist heute das Landespolizeirevier untergebracht, und die Stadt hatte „seit dem Bestande des hiesigen Amts – also über 30 Jahre lang durch Stellung des Amtshauses und Abtretung eines großen Gefängnisthurms an den Staat sehr große Opfer gebracht, was anderwärts nicht geschah“.

Für „mittelmäßig“ wurde sie von den „Unterthänigst treugehorsamsten Vertretern der Stadt und Amtsorte von Eppingen nicht gehalten, denn „Eppingen ist eine sehr wohlhabende Landstadt. 

Wer die Stadt früher gekannt hat, wird erstaunen, was seit dem Bestand des Amts die Bewohnerschaft zum Besten geleistet worden ist und gewirkt hat.

Die Stadt macht durch ihre Sauberkeit einen wohltätigen Eindruck“.

Sie liegt „im Mittelpunkt zwischen Sinsheim und Bretten, grenzt an Württemberg und hat mit den umliegenden Orten dahin bedeutenden Verkehr.

Auch in dieser Beziehung paßt die Stadt zur Errichtung eines größeren Verwaltungsamtes daselbst“.

Diese Sätze haben wir einer Eingabe entnommen, mit der, unterstützt von einflussreichen Kreisen, eine Änderung der Verwaltungsgliederung zu Ungunsten der Stadt vermieden und der Amtsbezirk zum Vorteil aller ausgeweitet werden sollte.

 

Diese Eingabe ist ein Meisterstück an Höflichkeit, Verwaltungs- und Landeskenntnis sowie Begründungen.

Man wollte nämlich Zaisenhausen, Menzingen, Bahnbrücken, Michelfeld, Eichtersheim, Odenheim, Elsenz und Hilsbach noch beim Amtsbezirk haben, wodurch sich ein größeres Kollegialgericht gelohnt hätte.

 

Man beachte den Weitblick, und wer weiß heute schon, dass Bahnbrücken nur 8 km von Eppingen entfernt ist und eine zügige Gemeindeverbindungsstraße dahin führt.

So weitgehende Veränderungen hielt sich die Regierung nicht für tunlich, scheute sich aber nicht, kleine Änderungen anzubringen, zumal drei Gemeinden auch selbst diese beantragten und wirkungsvoll begründeten.

 

Zwar wurde Hilsbach 1840 zu Sinsheim zugeschlagen, jedoch Richen 1849 von Sinsheim zu Eppingen eingeteilt, und Elsenz, Tiefenbach und Sulzfeld wurden dem Amtsbezirk zugeführt. 1.1).

 

Als Bezirksamtsstadt fühlte sich Eppingen stets seinem Umland verpflichtet, schuf für dieses öffentliche Einrichtungen, und im „Rot“, neben Altstadt und Vorstadt gelegen, ein vorbildliches und repräsentatives Schul- und Behördenviertel.  1.1).

 

Der Amtsbezirk Eppingen entspricht den württembergischen Oberämtern, ein kleiner Landkreis.

Er bestand aus 15 Orten: Ittlingen, Eichelberg, Berwangen, Tiefenbach, Elsenz, Adelshofen, Richen, Gemmingen, Landshausen, Rohrbach a.G., Stebbach, Schluchtern, Sulzfeld und Mühlbach.

Eine Zeitlang gehörte auch Hilsbach dazu.

Im Jahre 1880 wohnten 18.058 Einwohner im Bezirk (zum Vergleich 1970: 27.353 Einwohner), wovon 82,9 % hier geboren und 36,8 % unter vierzehn Jahre alt waren.

Die Geburtenziffer lag bei 39,6 %, die Sterbeziffer 21,4 %.

Die Wegstrecke zum Amtssitz betrug im Schnitt 7,18 Kilometer.

Der Amtsbezirk war Bestandteil des aus den Ämtern Eppingen, Heidelberg, Sinsheim und Wiesloch bestehenden Kreises Heidelberg.

Im Jahre 1883  umfaßte er 168 Quadratkilometer.

Das Amtshaus (heute Polizeirevier) wurde 1781-84 im Barockstil durch den Hofkammerrat und Stadtschultheiß Erkenbrecht, in der Brettener Straße, unmittelbar vor dem Vorstädter Tor erbaut.

Es ist  eines der wenigen Barockbauten der Stadt und war Unterbringungsort des Bezirksamtes.

Mitte und Ende des 19. Jahrhunderts erwuchs das großherzogliche badische Schul- und Behördenviertel im Roth an der Kreuzung Kaiserstraße / Ludwig-Zorn-Straße in Form von gelben Sandsteinen der heimischen Landschaft.

Dabei entstanden:

Amtsgefängnis (heute Feuerwehrhaus),

Amtsgericht (heute Forstamt),

das evangelische und katholische Dekanat- und Stadtpfarramt,

die evangelische Stadtkirche,

das alte Forstamt,

die ehemals Höhere Bürgerschule (jetzt Sonderschule)

und die Volksschule 1.1).

 

1815                                     

Beginn der Rheinkorrektion 1.1).

 

Wiener Kongreß 1.1).

 

Napoleon I. wird von Wellington und Blücher bei Waterloo besiegt. 33).

 

1816                                     

Es herrscht eine große Hungersnot im Land.

Schlechte Ernten waren vorausgegangen; lange und strenge Winter und Dauerregen zur Erntezeit führten zu Hungersnot und Teuerung 1.1).

Grund war ein verheerender Ausbruch des Tambora-Vulkans in Indonesien im Jahre 1815.

Er brachte einen Sommer ohne Sonne. 

 

Deutscher Bund unter österreichischer Führung 33).

 

1817                                     

Christian Drais,

Freiherr von Sauerbronn, radelte das erste Mal mit der von ihm erfundenen Laufmaschine (Vorläufer des Fahrrads) von Mannheim nach Schwetzingen 1.1).

 

Aus demselben Jahr stammen in Eppingen die Benennungen „Loh“ zum Karlsplatz

und des Grasplatzes zwischen der alten Stadtmauer entlang der heutigen Zwingergasse und der ostwärtigen Bebauung der St. Petersgasse zum Ludwigsplatz 1.1).

 

Hunderte von Studenten und Professoren geben ihrer Enttäuschung über die Ergebnisse des Wiener Kongresses (1814/15) und dem Wunsch nach demokratischen Rechten beim Wartburgfest Ausdruck.

Die deutsche Burschenschaft fordert die Einheit Deutschlands.  1.1)., 33).

 

Jakob Wittmer,

geb. 11.11.1817, gestorben 9.12.1891,

heiratete 1844 Katharina, Tochter des Stadtrentmeisters Johann Philipp Gebhard; sie hatten 17 Kinder, von denen 10 früh verstarben.

1879-1882 vertrat er seine Kraichgauer Heimat im Landtag, wovon zahlreiche Anträge Zeugnis ablegen, zum Beispiel über Eisenbahnwesen, Landwirtschaft, oder gehaltliche Gleichstellung von Lehrerinnen. „Ein reich gesegnetes Leben“. 20).

 

In Eppingen wird eine Schwefelquelle entdeckt. 20).

 

Fachwerkhaus Kirchgasse 14 wird erbaut

als westliche Begrenzung des nördlichen Friedhofes in der Altstadt.

 

1818                                     

Badische Verfassung wird verkündet durch Karl Ludwig.

Diese wurde von Nebenius entworfen und gilt als die erste freiheitliche Verfassung ganz Deutschlands 1.1).

 

Ludwig Wilhelm August tritt als Großherzog Ludwig I. die Regierung an 1.1).

 

1819                                     

Der erste Badische Landtag wird am 22.4.1819 eröffnet 1).

 

Eine Bürgergarde wird durch den Eppinger Bürgerausschuß unter Vorsitz von Bürgermeister Lother gegründet ,

am 9. September 1819 auf höhere Weisung und wählte zu deren Offizier Philipp Antes, zu Unteroffizieren Johann Grupp und Paul Schulz.

Sie bestand aus 31 Garde-Grenadieren, 4 Hilfs-Kanonieren und 155 Gemeinen, die in drei Abteilungen gegliedert waren.

Säbel und zwei Trommeln erhielt die  Bürgergarde gegen Bezahlung aus dem großherzoglichen Zeughaus.

Ihre Aufgabe war Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit nach außen und innen und der Einsatz von Brandfällen.

1848 regelte ein Gesetz alle Einzelheiten über die Bürgerwehren.

Angegliedert war eine Bürger-Militärmusik, über deren Ausbildung und Tätigkeit der Verwaltungsrat des Bürgermilitärs am 30.1.1833 zehn Regeln beschloss.

Zunächst 12 Musiker waren es 1834 unter Kapellmeister Fink 19 Musiker.

1845 wurde die Bürgerwehr unter dem Namen „Bürgerliches Infanterie-Corps der Stadt Eppingen“ von einem Hauptmann angeführt, während der Revolution hieß sie „Volkswehr“.

Am 28.4.1871 wurden die leihweise ausgegebenen Waffen vom Staat wieder eingezogen.

Vom 19. November 1818 bis Juli 1920 bestand wieder eine drei Züge starke Bürgerwehr, die mit Infanteriegewehren und zwei Maschinengewehren ausgerüstet war 1.1).

 

Mord am Gesandten Kotzebue

lässt Gewitterwolken am politischen Horizont erahnen 1.1).