12. Jahrhundert    ( 1 100 – 1 199)


 

1106-1137                          

Heinrich V. Heinrich nimmt 1111 den Papst Paschalis II. gefangen und erzwingt seine Kaiserkrönung.

Im Kampf gegen einen Aufstand der sächsischen Fürsten kommt es 1115 zur Niederlage am „Welfenholz“.

 

Den Investiturstreit beendet er 1112 durch das Wormser Konkordat.

Der Kompromiss besagt, der Kaiser verleiht den Bischöfen das Szepter als Zeichen weltlicher Macht.

Der Papst gibt Ring und Stab als geistliche Symbole.

Das Domkapitel wählt die Bischöfe. Heinrich V. stirbt 43-jährig kinderlos an Krebs und wird in Speyer beigesetzt.

Das ist das Ende der fränkischen oder salischen Dynastie. 

 

1122                                     

Wormser Konkordat  28).

 

1125 – 1137                       

Lothar von Supplinburg.

Ein Sachse, alt und kinderlos.

Eine Übergangslösung.

Unter ihm beginnt der Nachfolgekampf um die Kaiserkrone zwischen dem Welfengeschlecht (Herzöge von Bayern und Sachsen) und den Staufern (Herzöge von Schwaben). 26).

 

Kreuzzüge

Papst Urban II.

(vor der Wahl Odo de Lagery, ein Franzose) ruft auf den Synoden von Piacenza und Clermont 1095 die abendländische Christenheit zum Kampf für die Befreiung des Hl. Landes auf und leitet damit die Kreuzzugsbewegung ein, sozusagen ein Heiliger Krieg der Christen, eine Umkehrung des islamischen Glaubenskrieges.

 

200 Jahre lang ergießen sich nun Ritterheere und Abenteuerscharen in Richtung Jerusalem.

Neben der Kreuzzugsidee lockt auch der Reichtum des Orients

Parfüm, Pfeffer, Pfirsich, Vanille und vor allem das Alaun ist begehrt.

Der Orienthandel bringt den oberitalienischen Städten Reichtum und Macht.

Die Kolonialzüge sind erfunden, auch der Kulturaustausch zwischen Ost und West.  26)

 

Die Hanse 1000 – 1500 im Nord- und Ostseeraum

 

Lübecker Kaufleute beteiligen sich am allgemeinen Seehandel mit Russland, den skandinavischen Ländern und England.

Auf breiten, hochbordigen Schiffen, den „Hansekoggen“, segeln sie durch Nord- und Ostsee.

So schließen sich Lübecker, Bremer, Dortmunder, Soester und Kölner Kaufleute zu Genossenschaften zusammen und unterhalten Stützpunkte wie z.B. Wisby auf Gotland.

Man spricht von der Gilde der Gotlandfahrer, die regelmäßig alle Handelspunkte bis nach London, Bergen und Nowgorod anlaufen.

 

Aus der Kaufmannshanse wird die Städtehanse, sie wird einflussreich und mächtig und führt wegen der Sunddurchfahrt 1367 einen eigenen Krieg gegen Dänemark.

 

1370 siegt die Hanse, die Ostsee wird deutsches Meer.

1497 beginnt der Niedergang der Hanse durch die aufsteigenden nationalen Seemächte.  26).

 

Die Staufer

 

1130 – 1180                     

Heinrich der Löwe  

Er ist der Sohn Heinrich des Stolzen, schafft sich durch Ostkolonisation großen Stils (Mecklenburg und Pommern) eine gewaltige Hausmacht.

Er baut die Pfalz Dankwarderode in Braunschweig und gründet 1158 München.

Nach dem staufischen Kaiser Friedrich I. ist er der mächtigste deutsche Fürst.

Sein Einvernehmen mit dem Kaiser wandelt sich in Feindschaft, als Heinrich 1176 die erbetene Hilfe für den Krieg gegen den Lombardenbund verweigert. 

1180 wird er geächtet, geht nach England in die Verbannung und bleibt auch nach seiner Rückkehr unter Heinrich VI. auf den welfischen Hausbesitz Braunschweig Lüneburg beschränkt.

Sein Grabmal ist im Dom zu Braunschweig.

Auch Konrad von Wettin und Albrecht der Bär, Markgraf von Brandenburg , erschließen den slavischen Osten.   26).

 

1138                                     

Klostergründung von Salem am Bodensee  durch die Zisterziensier 28).

 

1138 – 1152                       

Konrad III.  

Er ist der Bruder des Herzogs von Schwaben, wird gegen den Widerstand des Welfenherzogs von Bayern und Sachsen, Heinrichs des Stolzen, gewählt.

Da Heinrich nicht huldigt, wird er geächtet.

Auf Drängen Bernhards von Clairvaux unternimmt Konrad III. den missglückten 2. Kreuzzug (147-49).  26).

 

1139                                     

Klostergründung von Maulbronn durch die Zisterziensier.

Das Kloster ist heute eine der am besten erhaltenen Klosteranlagen überhaupt, sowie dessen Tochterklöster Bronnbach an der Tauber und Schöntal an der Jagst.  28).

 

1152 – 1190                       

Friedrich I. Barbarossa

Sein roter Bart bringt ihm den Namen Rotbart (oder italienisch Barbarossa) ein.

Er ist der Neffe Konrads III. und wird 1155 in Rom von Alexander III. zum Kaiser gekrönt.

In Italien führt er einen langen Kampf gegen die lombardischen Städte und den Papst.

1162 kann er Mailand zerstören, muss aber 1176 die Niederlage bei Legnano hinnehmen.

Es kommt zum Verständigungsfrieden von Venedig 1177.

Er hat die vitalen, reichen und freiheitsdurstigen Städte, die mit dem Papst verbündet sind, keine Chance  - seine Oberhoheit erkennen sie nur formell an.

Von 1179 – 81 bricht er die Macht des Welfenherzogs, indem er Bayern den Wittelsbachern gibt und Sachsen zerschlägt. 

Auch über das Papsttum gewinnt er mehr Gewicht und sichert 1186 seinem Sohn Heinrich VI. die Anwartschaft auf das normannische Königreich Sizilien.

In der Reichskirche findet er bedeutende Helfer.

Zur Reichsverwaltung zieht er besonders den aufstrebenden Stand der ritterlichen Ministerialen heran.

Zielstrebig baut er den Stauferbesitz vom Elsass bis ins Egerland aus.

Der Reichstag in Mainz zu Pfingsten 1184 wird zum glanzvollsten Fest des Mittelalters.

Der Ritterschlag der Kaisersöhne Friedrich und Heinrich VI. ist der Höhepunkt des staufischen Kaiserfestes.

 

70-jährig begibt sich Friedrich II. 1189 auf den 3. Kreuzzug, er ist der berühmteste Held seiner Zeit.

Noch vor dem Ziel ertrinkt er in dem kleinasiatischen Fluss Saleph (türk. Gök-su).

 

Die volkstümlichste Kaisergestalt ist tot, die Sage aber sieht ihn nur schlafend und versetzt ihn in den Kyffhäuser (einen Berg in Thüringen), aus dem er wieder hervorkommen wird, wenn das Reich in Gefahr kommt (Gedicht von Rückert 1813).

Schade,  dass es nur eine Sage ist, er hätte schon oft Gelegenheit gehabt.  26).

 

1155                                     

Wird die Markgrafschaft Österreich (die alte Ostmark des Reiches) von Bayern abgetrennt und zum Herzogtum erhoben.

Es beginnt die eigenständige Geschichte Österreichs, dieser für die spätere deutsche Geschichte so bedeutenden Landschaft.  26).

 

1170                                     

Rohrbach a.G. wird kurz vor 1170 erstmals urkundlich erwähnt

in der Sinsheimer Klosterchronik.

Die älteste erhaltene Urkunde über den Ort stammt aus dem Jahre 1252,

im Jahre 1338 erwarben dann die Herren von Sickingen Rohrbach, um es dann 47 Jahre später an das Benediktinerkloster Odenheim zu verkaufen.

Unter der Herrschaft des Krummstabes blieb Rohrbach bis zur Säkularisation im Jahre 1803 und fiel nun an das damalige Großherzogtum Baden. 1.2)

 

1180-1210                          

Von einem Eppinger Turmhaus aus dem 13. Jahrhundert wusste vorher niemand etwas.

Groß war das Erstaunen, als beim Aushub der Baugrube für den Erweiterungsbau der Feuerwehr-Gerätehalle in der Wilhelmstraße, Ende Oktober 1996,  die Spuren des ungewöhnlichen Hauses entdeckt wurden.

 Dass es solche Turmhäuser in Holzbauweise gab, wusste man bisher nur von Lübeck, Zürich und Konstanz.

„Turmhaus“ klingt aus heutiger Sicht übertrieben.

Aber man verwendet diesen Begriff, weil auf einer kleinen Grundfläche drei- bis viergeschossig gebaut wurde.

Die Funde in der Baugrube sprechen dafür, dass ein solches Haus mit Kemenate, Kachelofen und Ziegeldach einst in Eppingen stand.

Erstaunlich ist daran, dass es schon im 13. Jahrhundert in Eppingen so reiche Leute gab, die sich ein Ziegeldach leisten konnten, während in der Reichsstadt Heilbronn noch das Strohdach vorherrschte.

Das Eppinger Turmhaus wurde mutmaßlich zwischen 1180 und 1210 erbaut

Spätestens 1244 wurde es bei einem Großbrand zerstört.

Dass Eppingen so früh niedergebrannt wurde, wissen wir seit Anton Braun ( Geschichte der Stadt Eppingen, 1914, Seite 16) und die verheerenden Flächenbrände kennen wir seit Friedrich Löwenhaupt (Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Eppingen, 1937, S. 13, 15). 

Die neueste Nachricht des ältesten Einzelbrandes verdanken wir den unberührten Einzelfunden und der geduldigen minutiösen Ausgrabungsarbeit der Landesarchäologie in der Kellergrube des Hauses, die der Bagger Ende Oktober 1996 angerissen hatte. 1.8)

 

1190 – 1197                       

Heinrich VI.  

Er heiratet 1186 Konstanze, Erbin des normannischen Königreiches in Unteritalien-Sizilien, das damit als Mitgift unter deutsche Herrschaft kommt.

Heinrich VI., ein eiskalter Machtpolitiker, führt das abendländische Kaisertum auf eine nie zuvor erreichte Höhe.

Der Sultan von Nordafrika, die Könige von Armenien und Zypern huldigen ihm.  26).         

Heinrichs Plan ist es, England, Frankreich und Spanien dem Reich   einzuverleiben und eine staufische Erbmonarchie zu gründen.

Eine gewaltige Flotte steht vor dem Auslaufen, um das Heilige Land und das byzantinische Kaiserreich zu erobern. 

Da stirbt Heinrich mit 32 Jahren in Messina an der Malaria.

Heinrichs Tod ist die schwerste Katastrophe und der Wendepunkt in der Geschichte des deutschen Mittelalters. 26).

 

Die Stauferzeit 

 

ist die Hochblüte der ritterlich-höfischen Dichtung und Minnesang und Epos.

Höfische Epik (erzählende Dichtung) schafft christlich-ritterliche Heldengedichte wie das Nibelungenlied, Parzival und viele andere mehr. 26).

 

1191/92                              

Eppingen, Feste Stadt (burgum) staufischer Reichsbesitz. Erhebung zur Reichsstadt im Jahre 1191/92 durch den Staufenkaiser Heinrich VI.

Turm, Chronist: „Die Hauptnahrungsquelle der Einwohner ist Feldbau und Viehzucht, und die Einwohner gehören zu den wohlhabenderen des  Großherzogthums . 1.1) 3).

 

Pfeifferturm, Kirchgasse 1,  wird gebaut – das älteste Gebäude der Stadt Eppingen-,

welches bereits in der ersten Hälfte des Jahrhunderts erbaut wurde, steht im Zusammenhang mit der Erhebung zur Reichsstadt im Jahre 1191/92 durch den Stauferkaiser Heinrich VI,   und der damit verbundenen Befestigung der mittelalterlichen Stadt mit Stadttoren und einer Stadtmauer.

Er wurde dabei an zentraler Stelle, am Haupttor in die Altstadt, errichtet.

Am Mauerwerk der Südseite des Turmes erkennt man, dass hier das „Stadttor“ angebaut war.

Die vorkragenden Konsolensteine deuten den Verbindungsgang zwischen der sich beiderseitig an den Turm anschließenden Stadtmauer an.

Die zugemauerte Rundbogentür markiert den ursprünglichen Eingang in den Turm.

 Für den Stadtpfeifer war in den obersten Stockwerken für den städtischen Türmer eine Wohnung, in einem damaligen Fachwerkaufsatz,  eingerichtet.

Nach der ältesten Stadtrechnung von 1565 erhielt der „Thurman 12 Batzen jede Woche zu Lon“.

Er musste die Bewohner der Stadt vor anmarschierenden Feinden und beim Ausbruch eines Brandes lautstark warnen.

Hierzu benutzte der Türmer ein großes Zink, ein recht stark gekrümmtes Horn, weshalb man ihn auch als städtischen Pfeifer bzw. den Turm später als „Pfeifferturm“ bezeichnete.

Der Turmwächter hatte auch als Stadtmusikant wichtige Ereignisse in und außerhalb der Stadt durch Pfeifen- oder Trompetensignale zu verkünden.

Der Pfeifer musste auch die bis 1830 auf dem Turm aufgestellte Uhr aufziehen und richten.

1761 wurde hier vom Uhrmacher Heinrich Petri aus Heidelsheim eine neue Turmuhr eingebaut. Dieses große Uhrwerk befindet sich heute im Stadt- und Fachwerkmuseum „Alte Universität“.

 

Eine erste Sanierung des Turmes fand 1791 statt.

Der Turm besitzt heute eine Dachspitzhöhe von 30 m, eine Traufhöhe von 22 m, die Aussichtsplattform befindet sich in 24 m.

Der Turm hat einen quadratischen Grundriss, mit einer Seitenlänge von 7 m. Die Mauerstärke beträgt im ersten Obergeschoss 2 m, im zweiten Obergeschoss 1,85 m und im sechsten Obergeschoss „nur“noch 60 cm.

 

Typisch für die Erbauungszeit sind die sehr kräftigen Buckelquader, gebrochen aus heimischem Schilfsandstein.

 

Das heutige Aussehen des Turms mit dem schiefergedeckten Laternendach geht wohl auf das Jahr 1791 zurück, als die Turmspitze erneuert werden musste. Bis dahin besaß er einen mehrstöckigen Fachwerkaufsatz.

 

Ein erster Hinweis über die Nutzung als Gefängnis finden wir in einer Stadtrechnung von 1662, als der Seiler Michael Bühler 30 Kreuzer für „4 Claffter Seyler“ so zum Gefängnis Im Pfeifferturm verbraucht worden“ erhielt.

Weiterer Ausbau zum Gefängnis erfolgt zu Beginn des 19. Jahrhunderts.  

Als Eppingen zur badischen Bezirksamtsstadt erhoben wurde, baute man den Turm zum Gefängnis für den Amtsbezirk um.

Vom dritten bis zum sechsten Stock war jeweils eine Gefängniszelle eingerichtet, im siebten waren es vier.

Von 1829 bis 1859 diente er als Amtsgefängnis.  

Danach benutzte ein Eisenhändler den Turm als Lager bis 1935, als das erste Heimatmuseum der Stadt im Turm eingerichtet wurde.

Ab 1859 wurden die Gefangenen schon im neu erbauten Gefängnis im Roth eingeschlossen.

Ab 1935 wurde im Turm das erste Heimatmuseum der Stadt eröffnet. 3)., 4).

 

1193 – 1280                       

Albert der Grosse oder Albertus Magnus .

Er ist kein Kaiser, König oder Fürst, aber er ist der erste Große der deutschen Geistesgeschichte. 

Er ist Dominikaner, Bischof und päpstlicher Nuntius, Rektor der Ordensschule in Köln.

Der „doctor universalis“ ist der umfassendste Gelehrte des Mittelalters.

Erster großer christlicher Aristoteliker – rational-philosophische Begründung des Glaubens im Geiste der Scholastik.

Albert trennt in schon neuzeitlicher Weise Theologie und Naturwissenschaft.

Meister Eckhard und Thomas von Aquin sind unter seinen Schülern.

Ein Beispiel:  1451 segelt Kolumbus nach seinen Berechnungen der Erdkrümmung nach Amerika.

Albert ist immer zu Fuß unterwegs (meist barfuß), untersucht alles und ergeht sich in der Betrachtung der realen Natur.

1245 hält Albert in Paris Vorlesungen über Plato und Aristoteles, er erläutert arabische und jüdische Kommentare über den Aristotelismus.

Aufgefundene Bauhüttenbücher geben Hinweise auf „Albertinische Art“ oder „Albertussystem“ und weisen damit auf die Grundlage des gotischen Baustils, der in Deutschland 100 Jahre später als in Frankreich beginnt und den romanischen Baustil ablöst.  26).